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Wohlgelaunt verabschiedete ich mich von Maria, packte mir als Proviant und zur Erinnerung an diese wunderbare Begegnung  mehrere Bohnen ein und machte mich auf den Weg, meine Mission fortzuführen.
Meine nächste Destination führte mich auf einen anderen Kontinent – nach Äthiopien, dem Mutterland der Arabicabohne, zur Wiege des Kaffees. Genauer gesagt nach Yirgacheffe, einem kleinen Städtchen im Südwesten Äthiopiens, das für seinen Kaffeeanbau weltberühmt geworden ist. Manche Stimmen behaupten sogar, dass die dort angebauten Bohnen zu den besten überhaupt zählen. Besonders charakteristisch für den dort angebauten Kaffee ist sein außerordentlich unverkennbares Aroma. Man sagt, allein schon wegen seines einzigartigen Geruchs sollte man diese Sorte kennenlernen.
Diese Aussage weckte logischerweise mein Interesse, denn ich war schließlich auf einer Mission –  der Mission, die perfekte Kaffeebohne ausfindig zu machen, zu verkosten und auf schnellstem Wege in meine Heimatstadt Wien zu importieren.

 

 Der kleine, verwinkelte Jazzclub in Yirgacheffe
 

Angekommen in einem kleinen Dörfchen in dem hochgelegenen Aramo Gebiet wollte ich vorerst meinen Tag bei einem kleinen Espresso und traditioneller Lifemusik ausklingen lassen.
Ich setzte mich in ein verwinkeltes, dunkles Lokal. Während ich meine Bestellung aufgab, fielen Scheinwerfer auf einen, sich auf einem Podest befindenden Saxophonspieler.
Ich war gespannt, gespannt auf den ersten Schluck des sagenumwobenen Yirgacheffe Kaffees.
Entspannt lehnte ich mich zurück und lauschte der Musik. “Es groovt”, dachte ich mir, “ich würde am liebsten aufspringen und zu tanzen beginnen.” Doch dazu war die dort vorherrschende Stimmung zu verhalten. Ich beruhigte mich und konzentrierte meine gesamte Aufmerksamkeit auf den ersten Schluck meines, mittlerweile auf dem Tisch stehenden, Espressos.
„Seltsam“, ich nahm noch einen Schluck um mich zu vergewissern. „Das war nicht annähernd die Geschmacksexplosion die ich mir erhofft habe.“
“Immerhin ist die Musik bereichernd”, dachte ich mir, um dieser Situation etwas Positives abzugewinnen. Bereichernd ist untertrieben, die Qualitäten des Saxophonspielers begeisterte mich. Noch nie zuvor hatte ich so etwas gehört. Nach seinem Auftritt schritt ich auf den Saxofonisten zu, um ihn meine Begeisterung auszusprechen.
Dankbar und bescheiden stellte er sich mir vor. Dawit war sein Name. Wir kamen ins Gespräch.
Auf seine Frage, was der Grund meines Aufenthalts sei, stellten wir fest, dass wir offensichtlich die selbe Leidenschaft teilten.
Dawit spielte nur aus reiner Freude Saxophon, hingegen war er mit Leib und Seele Kaffeebauer.
Ich erzählte ihm von meiner Mission. Er lachte. Und er lud mich für den nächsten Morgen zu einer Verkostung auf einer winzigen Plantage ein. Aufgeregt verkostete ich seine Lieblingssorte.
Es war eine Tasse mit ungewöhnlichem und sehr erfrischendem,  blumig-fruchtigem Aroma. Im Nachgeschmack blieben leichte Zitrustöne. „Das war er! Zweifellos!
Das ist also das sagenumwobene Aroma, das diesen Kaffee über die Grenzen des Landes bekannt gemacht hat!”
 

Das Verkosten des äthiopischen Hochland Kaffees.

 

„Manchmal ist man seinem Glück näher, als man denkt”,

dachte ich mir über diesen paradoxen Zufall. Zufrieden tauschte ich mit Dawit Kontaktdaten aus,
denn ihm hatte ich es zu verdanken, die Bohnen gefunden zu haben, nach denen ich in Yirgacheffe
gesucht hatte. Ich verabschiedete mich, ich musste weiter, ich durfte keine Zeit verlieren, denn ich war auf einer Mission….


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