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Nach dem dritten Gin Tonic war es uns klar, mein langjähriger Freund und Geschäftspartner Sascha und ich machen unsere Leidenschaft zum Beruf, wir wagen den Sprung ins kalte Wasser und gründen Röstraum. Eine Rösterei, die es sich zur Aufgabe macht, sich auf die Suche nach den perfekten Kaffeebohnen zu begeben, um unseren Kunden die Arten und Geschmacksvielfalt der weltweit feinsten Kaffeesorten zu ermöglichen. Wie es zu diesem Entschluss gekommen ist, möchte ich Euch hier erzählen:

Sommer 2014, wir befinden uns im Landeanflug auf San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas.

Sascha und ich träumten immer schon von Costa Rica, von der dort vorzufindenden Vielfalt an Pflanzen und Tieren – speziell natürlich aber von den wunderbaren Kaffeeplantagen mit ihren außergewöhnlichen Kaffeebohnen. Nun ergab sich die Gelegenheit. Kurz nach der Eröffnung unseres neuen Kaffeehauses im 6. Wiener Gemeindebezirk machten wir uns auf die Reise.
Der Grund ? Wir strebten nach Einzigartigem, wir wollten nicht, so wie die hier ansässigen Konkurrenten, den immer selben Kaffee – nur anders benannt beziehungsweise anders verpackt – anbieten. Nein, wir wollten den allerbesten Kaffee der Stadt und ihren Bewohnern zugänglich machen. Dass wir schlussendlich auch Kaffee selbst rösten werden, konnten wir damals noch nicht ahnen.

Nach einem sich ewig anfühlenden Flug waren wir nun endlich in einem authentischen und sehr bodenständigen Appartement eingecheckt. Wir fühlten uns wohl. Dazu trug die Besitzerin maßgeblich bei. Sie war gastfreundlich und machte einen sehr vertrauensvollen Eindruck. Wir wollten keine Zeit verlieren, daher bat ich sie, uns zu helfen, die Route zu den hier ansässigen Kaffeebauern festzulegen.

Dankbar verabschiedeten wir uns und machten uns auf dem Weg.

Es waren beeindruckende Erfahrungen, dutzende Kaffeebauern zeigten uns die verschiedenste Kaffeesorten, Röstungen und Verarbeitungsprozesse. Es gab eine reichhaltige Auswahl an Geschmacksrichtungen. Doch so groß auch die Auswahl war, so schwer fiel es uns, uns festzulegen. Wir suchten sowohl Bohnen, die wir als Single anbieten wollten als auch Kaffeebohnen für eine unvergleichliche Blend. Selbst nach einer Woche voller unterschiedlicher Kaffees, Geschmäcker und Qualitäten konnte keine Kaffeesorte zu 100% überzeugen.

 

Ein Einblick in den Verarbeitungsprozess der Kaffeebohnen.

 

Als unsere Gastgeberin unsere Unzufriedenheit erkannte, lud sie uns am vorletzten Tag zu Kaffee und Kuchen auf ihre Terrasse. Wir unterhielten uns gut. Bevor wir uns verabschiedeten, sie musste ihren Sohn vom Fußballtraining abholen, tranken wir noch einen Espresso.

Das war er! Ganz ohne Zweifel. Das war der Geschmack, den ich suchte. Sascha stimmte mit mir überein.

Das war das Aroma, das wir uns vorstellten. Die Bohne, nach der wir die ganzen Tage vergebens gesucht hatten. Auf meine Frage, woher sie diesen fantastischen Kaffee bezog, meinte sie, es sei der ihres Schwiegervaters, der diesen seit Generationen in kleinen Mengen biologisch anbaute und auch selbst röstete.

Wir waren begeistert und zugleich verblüfft, welchen Streich uns das Schicksal spielte. Den letzten Tag verbrachten wir in der Plantage des Schwiegervaters und waren beeindruckt von der Geschichte der Familie und von der Leidenschaft, mit der diese Tag für Tag die schwere Arbeit in der Natur meisterte. Nach der tagelangen Suche waren wir fündig geworden. Wir sahen bei dieser Familie den kompletten Ablauf – vom Setzen der Pflanzen über das Ernten bis zum Rösten und Genuss in der Tasse. Wir waren begeistert. Abends als wir an der Bar neben unserem Appartement saßen meinte Sascha:

„Manchmal ist man dem Glück eben näher als man denkt.“

– Wie recht er damit hatte.

Dankbar für die gemachten Erfahrungen und atemberaubend schönen Momente, die uns diese Reise ermöglichte, saß ich glücklich im Flugzeug in Richtung Heimat und merkte wie meine Augen immer schwerer wurden und ich schlagartig, aber sehr zufrieden einschlief.

 

Die Protagonisten dieser Geschichte – Christoph und Sascha.



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