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Dankbar für die gemachten Erfahrungen und atemberaubend schönen Momente, die uns diese Reise ermöglichte, saß ich glücklich im Flugzeug in Richtung Heimat und merkte, wie meine Augen immer schwerer wurden und ich schlagartig, aber sehr zufrieden einschlief. Ich fing an zu träumen…

Da war ich nun. „Endlich in Chiapas, Mexiko“, dachte ich mir, auf der Terrasse meines Hotelzimmers stehend und das atemberaubende Grün der Wälder betrachtend. „ Ich brauche einen Kaffee“, bildete ich mir ein, da ich einen leichten Hauch von Müdigkeit verspürte. Ich spazierte die Straßen entlang und setzte mich in ein kleines Cafe. Beim näheren Betrachten des Hauptplatzes mit seinen Prunkbauten war ich erfreut, denn diesen Ausblick hatte ich dem Zufall zu verdanken. Schließlich war ich bloß auf der Durchreise, mein eigentliches Ziel war das weiter südlich gelegene Guatemala. Ich war nämlich auf einer speziellen Mission. Einer Mission mit dem Auftrag, die perfekte Kaffeebohne ausfindig zu machen und auf schnellstem Wege nach Wien zu bringen. In Gedanken vertieft, versuchte ich den Fokus auf mein Vorhaben zu richten, als plötzlich etwas mein Bein streichelte. Es war zu diesem Zeitpunkt unangenehm, es drohte mich von meinen Gedanken abzubringen. „Konzentriere dich!“,  sagte ich immer wieder zu mir selbst. Doch die Neugierde, gepaart mit Unsicherheit, denn ich wusste nicht, was sich an meinem Bein befand, brachte mich aus dem Konzept und dazu, meinen Blick zu senken.

 

Maria, bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Schreiben zusammen mit ihrem Kater Fernando.

Ein Kater also! Irgendwie niedlich. Ich ließ mich auf den Schmuseversuch des kleinen Vierbeiners ein und widmete ihm meine gesamte Aufmerksamkeit. „Süß“, dachte ich mir, doch um mich nicht zu sehr mit dem Kater  aufzuhalten, zahlte ich und machte mich auf den Weg zurück ins Hotel. Ich war schließlich auf einer Mission und wollte dieser nachgehen. Auf dem Weg versank ich wieder in die  Gedanken an  Guatemala und die dort ansässigen Kaffeebauern. „Moment!“, dachte ich erschrocken und blickte mich um. Ich kam mir verfolgt vor. Seltsam, da war nichts. „Das gibt es doch nicht“, dachte ich mir und schritt weiter. Wieder!  „Was ist das?“, fragte ich mich und beschleunigte meine Schritte, ich war sichtlich verunsichert. Das Hotel war in Sichtweite, ich beruhigte mich und trat ein. In Sicherheit und in meinem Zimmer angekommen blickte ich auf meine Terrasse. „Das gibt es doch nicht! Wie kann das sein?“ fragte ich mich. Der Kater, der soeben noch mein Bein im Kaffeehaus streichelte,  saß auf meiner Terrasse und blickte mich an. In diesem Moment freute ich mich über den kleinen Begleiter und ließ ihn ins Zimmer herein. Er wich mir nicht von der Seite, also erbarmte ich mich und gewährte ihm für eine Nacht Obdach.

Am nächsten Morgen, bei meinem Weg zur Bäckerei, bemerkte ich es, es hing an einem Baum. „Unglaublich“, dachte ich mir, ich musste zweimal hinsehen, um zu realisieren, was es war. Da hing tatsächlich eine Verlustanzeige mit der Aufschrift: „Suche verzweifelt meinen Kater Fernando“. Perplex wählte ich die auf der Anzeige stehende  Telefonnummer und verkündete die frohe Botschaft. Nur wenige Minuten später stand sie da, eine leicht aufgelöste,  aber dennoch strahlende junge Dame stand vor meiner Türe.  Beim Öffnen fiel sie mir dankbar um den Hals. Im Gegenzug übergab ich ihr ihren Kater Fernando.

 

Für alle die Schoko, Nuss und feine Säure lieben – sind die Bohnen „Maria“ die Richtigen.

Das Mädchen,  Maria, lud mich zum Zeichen ihrer Dankbarkeit auf einen Kaffee ein. Wir unterhielten uns prächtig. Maria erzählte mir von ihrer Leidenschaft,  dem Schreiben,  und  ihrer beruflichen Tätigkeit als Romanautorin. Ich hingegen erzählte ihr von meiner Mission, der Suche nach der perfekten Kaffeebohne und mein Vorhaben, auf schnellstem Wege nach Guatemala zu gelangen. Als sie das hörte, brach sie in fröhliches Gelächter aus und erwiderte, dass ihr Antrieb beim Schreiben Kaffee wäre, dass sie sich seit Jahren mit Kaffee auseinandersetzte und mir wärmstens eine Empfehlung weitergeben wollte. Folglich bestellte sie einen besonderen Kaffee, ihren Lieblingskaffee für mich. Dieser hörte sich mysteriös an und stand bestimmt nicht auf der Karte. Sie sagte, es sei der in geringen Mengen und nachhaltig angebaute Kaffee des Kaffeehausinhabers. Bereits beim Ansetzen der Tasse verspürte ich es. Es war der Kaffee, den ich mir vorstellte! Der Kaffee, den ich in Guatemala zu finden gehofft hatte, aber in diesem Moment gefunden hatte. Glücklich über diesen glücklichen Umstand dachte ich mir:

„Manchmal ist man seinem Glück näher, als man denkt.“

Ich tauschte mit dem Kaffeehausinhaber die Kontaktadressen aus, denn das war eindeutig eine der Kaffeebohnen, nach welchen ich gesucht hatte und  die ich nach Wien mitnehmen wollte. Wohlgelaunt verabschiedete ich mich von Maria, packte mir als Proviant und zur Erinnerung an diese wunderbare Begegnung  mehrere Bohnen ein und machte mich auf den Weg, meine Mission fortzuführen.

 

 

Noah befindet sich aktuell in Chiapas, Mexiko.




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